Endlich…

…bin ich dieses Lesezeichen, welches mich ständig an eine unglaubliche Odyssee mit der Bahn erinnerte, los.

Eine zweieinhalb-stündige Verspätung machte mich damals zum Ex-Trauzeugen. Dass ich dann noch zum Ex-Ex-Trauzeugen wurde, ist nochmal ne andere Geschichte.

Und ja, ich hätte schon längst das Lesezeichen wechseln können … aber irgendwie hab ich es nicht fertig gebracht, oder wollen. Selbstkasteiung? Wer weiss.

Und ja, ich hab von der Bahn schon mein anteiliges Schmerzensgeld erhalten. Die Hälfte vom eigentlichen Fahrkartenpreis.

Jedenfalls bin ich heute in der Mittagspause endlich mit dem Buch fertig geworden. Nachdem ich während der Zugfahrt und einem turbulenteren Wochende danach, oft den Faden verloren hatte, fing ich kurz darauf wieder von vorne an. Und meine Buchzeiten beschränken sich auf morgens und mittags. Mit Ausnahmen.

Zur Schulzeit – also in einem anderen Leben – hatte ich das Buch schonmal gelesen, als ich jetzt erneut damit anfing, hatte ich nur eine dunstige, aber wohlige Erinnerung an den Inhalt. Vor allem an die wunderschöne Sprache; die Auseinandersetzung mit jugendlichen Konflikten und Gedanken; was Kunst ist und bewirken kann; was es beudetet Künstler zu sein, mit all den Enttäuschungen, Hoffnungen und Freuden. Tief greifend.

Den Zustand des Buches habe ich so mitgekauft. Bei uns in Lauffen am Neckar im Montagslädle. Zusammen mit drei anderen Klassikern und einem Krimi für Einsfuffzich.

Jetzt bin ich auf die Verfilmung gespannt. 2020 soll es wohl so weit sein.

Fast-Felgenplatzer

Auf der Heimfahrt von der Arbeit kam mir beim Bremsen gleich was komisch vor. Ich kannte dieses Ruckeln schon. Wieder die hintere Bremse. Wieder das Hinterrad.

Also kurz angehalten und nachgeschaut. Hinten war eine Beule schon gut zu spüren. Für die Heimfahrt müsste es fast noch reichen, dachte ich. Doch nach der nächsten Hügelabfahrt blockierte das Hinterrad dann doch. Die Bremsarbeit hatte wohl gute Arbeit geleistet.

Die Beule war jetzt noch imposanter und blockierte an der hinteren Bremse das Rad am Drehen.

Und ich hatte schon fast mehr als die Hälfte der Strecke hinter mir. Mein Fahrradladen lag auch schon hinter mir. Zwei Hügel ebenso. Und demnächst hatte ich ein Treffen mit einem Freund. So in einer halben Stunde etwa. Und vor mir lagen noch etwa 9 Kilometer und weitere Hügel, die ich ab jetzt aber nur noch abwärts fahrrend bewältigen musste.

Zu Fuß, und das Rad schiebend/tragend, würde ich das zeitlich nicht schaffen.

Also habe ich die hintere Bremse ausgehängt und bin langsam weiter gefahren. Ganz schön spannend. Immer der Gedanke: „Wann platzt die Felge komplett?“

Und bei jedem Hügel, den ich noch vor mir hatte, bin ich abgestiegen und hab das Rad geschoben. Ohne Hinterradbremse war mir das dann doch zu spannend. Abwärts laufend und das Rad schiebend, merkt man dann auch recht gut den Druck der vollen Satteltasche.

Die letzte Strecke nach Hause war dann eben. Am Fluss entlang. Natürlich im dicksten Nebel. Sicht vielleicht 5 Meter. Eher weniger. Also noch mehr Spannung.

Es ging dann aber doch gut. Leicht verspätet bin ich zu Hause angekommen.

Der wartende Freund hatte zwischenzeitlich, während ich noch radelte, versucht mich aufm Telefon zu erreichen. Ich konnte ja nicht ran. Beim nächstmöglichen Halt versuchte ich ihn zurück zu rufen. Er hatte das Klingeln nicht gehört. Der Feierabendverkehr war zu laut. Er war schonmal Richtung Pub losgelaufen. Ich versuchte es dann später nochmal. Mit dem gleichen Ergebnis.

In der Bude angekommen dann gleich nochmal der telefonische Versuch. Diesmal mit Glück. Der Freund stand vor verschlossenem Pub. Erst in einer guten Stunde würde der öffnen. Hatte er vergessen. Also lief er zurück.

Nach kurzer Katzenwäsche klingelte er schon. Wir quatschen noch ne Weile über dies und das und machten uns dann aufn Weg in den Pub. Zwei oder drei Bier später war dann auch dieser Tag fast zu Ende.

Heute muss dann eben das Rad zum Service. Ab ins Radhaus.


Mein erster Felgenplatzer war etwas unglücklicher. Und auch nicht bei voller Fahrt. Das wäre übel ausgegangen. Die Felge platzte beim Hügel hoch radeln. In gemäßigtem Tempo eben. Ein kurzer lauter Knall, blecherne Geräusche, Stillstand und verdutztes Gucken meinerseits.

Ein Schieben oder Weiterradeln war damals nicht mehr drin. Zum Glück kurz vor Lauffen. Aber dennoch sehr weit, um das Rad vollends nach Hause zu bringen. Also tragen. Das war ganz schön anstrengend.