Spoiler: Meine Nerven rissen zuerst. Die bei der Deutsche GigaNetz hatten Nerven wie Drahtseile.
Ein Erfahrungsbericht.
Teil 1: Der Weg in die Glasfaser-Zukunft – mit Umwegen durch die Vergangenheit
Der Umstieg zur Deutsche GigaNetz war eigentlich als großer Fortschritt gedacht. Schnell, stabil, modern. Im Sommer 2022 hatten wir diesen Schritt beantragt.
Stattdessen fühlte es sich wie eine Zeitreise an – nur rückwärts, oder doch in eine baldige „Zukunft“?
Vertrag da – aber keiner wusste was
Am 26. Mai 2024 kam ein Brief mit Zugangsdaten. Überraschend.
Eine Aktivierungsinfo gab’s nicht – weder vorher per Mail, noch per Post.
Erst auf Nachfrage erfuhren wir: Unser Vertrag war schon seit dem 23. Mai aktiv. Nur halt ohne dass wir’s wussten.
Und die Zugangsdaten waren zum Öffnen des Kühlschranks.
Die Rufnummern-Portierung – oder: „Haben wir nicht“
Im Juli 2022 hatten wir die Portierung unserer Festnetznummer(n) gleich mitbeauftragt.
Formular ausgefüllt, abgeschickt – erledigt, dachten wir.
2024 kam raus: Diese Beauftragung existierte bei der Deutsche GigaNetz nicht.
„Dazu muss doch das Online-Formular auf unserer Website ausgefüllt werden.“
Techniker? Kommt. Irgendwann. Oder auch nicht.
Unsere Telefonanlage ist etwas speziell.
Also baten wir um einen Techniker, der uns irgendwann mal angeboten wurde. Der würde sich melden. Innerhalb von zwei Tagen.
Das war in Kalenderwoche 27. Gemeldet hat sich niemand. Zum zweiten Mal.
Erklärvideos, die nichts mehr erklären
Wir versuchten, den Router selbst zu konfigurieren. Es gab (gibt noch immer) ein Video dazu.
Laut über-übernächstem Techniker sei es „nicht mehr gültig“ – war und ist aber noch immer online.
Und half natürlich nicht. Erst nach weiteren Anrufen bekamen wir verwertbare Infos.
Aktiv oder nicht aktiv – das ist hier die Frage
Obwohl wir weder Internet noch Telefon von der GigaNetz hatten, galt der Anschluss als „aktiv“.
Erst im Juli wurde unser Router tatsächlich verbunden.
IPv4? Kommt per Post. Irgendwann.
Die Zugangsdaten für unser IPv4-Netz kamen am 19. Juni – Wochen nach Aktivierungsdatum.
Also selbst wenn wir gewollt hätten: Es hätte gar nicht funktioniert.
Wir zahlten. Doppelt. Für nichts.
In der Zeit zahlten wir sowohl:
- bei der Deutsche GigaNetz – für einen Anschluss, der nicht lief
- als auch weiterhin bei der Telekom – weil die Rufnummernportierung nicht stattfand.
Der eine Anschluss tot, der andere noch nicht gekündigt. Willkommen im Tarif-Limbo.
Sehr viel später hat man uns für die doppelte Zeit Gutschriften ausgestellt. Aber auch das war ein hartnäckiger Kampf.
„Tut uns leid, aber auf Geschäftskunden waren wir bei der Deutsche GigaNetz nicht so wirklich vorbereitet!“
Portierung, null Erfolg
Zwischendurch hatten wir die Portierung schon mehrmals versucht anzustoßen. Mit oben genanntem Online-Formular:
- Falsche Firmenangabe (unser Fehler; die Adresse der Muttfirma war nötig)
- Telekom sagt: falsche Rufnummer
- „GmbH“ als Vorname
- Fehlerhaftes Formular
- Telefonisch korrigiert – angeblich
- Uns gibt es bei der Telekom nicht
- …
- ..
- .

Und bevor Teil 1 überhaupt los ging…
Ich weiß ehrlich nicht mehr, wie viele Techniker in den Monaten (Jahren) nach der Beauftragung durch unser Gebäude geschlendert sind.
Mal mit Kabelrollen, mal mit Bohrmaschine, mal mit dem Blick „ich such hier was, was nicht da ist“.
– Kabel wurden verlegt
– Kästchen an die Wand geschraubt
– Löcher durch die Wände gebohrt
– Kästchen wieder aufgemacht
– Kabel nochmal neu verlegt
– Pflastersteine vom Parkplatz rausgenommen
– externe Kabel unterirdisch verlegt
– Steine wieder drauf
– dann nochmal alles runter, weil das Kabel defekt war
– Kabel aus dem Erdreich geholt
– neues Kabel rein
– wieder Steine drauf
– alles nochmal gemessen
– diverse Techniker haben die Arbeit des Technikers davor korrigiert
Kurz: ein Tanz der Technik.
Und das Beste: Von 100 zugesagten Terminen kamen die Techniker gefühlt 200 Mal nicht.
Ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass Glasfaser nicht durchs Kabel kommt, sondern durch Geduld.
Jede Messung, jeder Termin war ein Déjà-vu.
Und dann – also erst dann – ging’s los mit Teil 1.

Teil 2: Der große Tag. Oder: Drei Tage ohne Telefon
Am 14. Oktober sollte endlich die Portierung erfolgen. Zwischen 6 und 12 Uhr.
Mein erster Arbeitstag nach einem bitter nötigen Urlaub.
Was dann folgte: Der Beginn eines dreitägigen Totalausfalls.
Falsche Zugangsdaten = falsche Hoffnungen
Die Portierung funktionierte nicht.
Warum? Falsche Zugangsdaten. Die richtigen bekamen wir zufällig per Telefon.
Davor: Externe IT, Fernmeldetechniker – alle scheiterten mit den falschen Daten.
Der SIP-Trunk war ohne Echo.
Technische Probleme – aber keiner weiß was
Selbst mit den richtigen Daten ging’s nicht weiter.
Ein technisches Problem bei der Deutsche GigaNetz – das uns niemand erklärte.
Die versprochene Lösung innerhalb einer Stunde? Kam nie.
Der SIP-Trunk ließ Grundrauschen laufen.
Hotline-Roulette und vorläufige Nummern
Wir richteten eine vorläufige Rufnummer ein – für die Kunden, die wir haben, überlebenswichtig.
Kurze Zeit später war sie automatisch deaktiviert. Wieder ohne Info.
Wieder viele Telefonate. Wieder nichts erreicht.
Irgendwann die Ansage: „Die vorläufige Nummer wird nach erfolgreicher Portierung automatisch deaktiviert.“
Verwirrung pur: Geburtstage und Kundendaten
Plötzlich gab es zwei Geburtstage in unseren Unterlagen bei der GigaNetz. Einer davon: 01.01.0.2010. Unser Nesthäkchen also. Kinderarbeit ist ja bald wieder erlaubt.
Und noch einen dritten.
Ich habe ernsthaft überlegt, ob irgendwo eine versteckte Kamera läuft.
Da ich privat auch Kunde bei der Deutsche GigaNetz bin, und mit meinem Mobiltelefon anrufen musste (ging ja kein Telefon), wurde ich bei der Support-Hotline als der private Kunde – mit anderem Geburtstdatum erkannt – erkannt. Per Telefon bekommt man nur Hilfe, wenn man ein DIN A4 Blatt an Infos durchgibt.
Als hätte Monty Python das Drehbuch zu dieser ganzen Geschichte geschrieben.
Tag 3: Alles rückgängig. Und dann doch nicht. Oder doch?
Die Portierung sei „abgebrochen“, die Nummern wieder bei der Telekom.
Wir also wieder rückbauen, Backup einspielen – und dann erfahren wir von der Telekom:
Die Portierung war doch durch. Und GigaNetz hat den Vertrag bei der Telekom bereits gekündigt.
Und dann… irgendwann… ging’s. Irgendwie.
Mittwoch Nachmittag, kurz vor Feierabend:
Ein Deutsche GigaNetz-Techniker löste endlich die Probleme Schritt für Schritt.
Nach drei Tagen Ausfall funktionierte es wieder und ich war urlaubsreif.
Und keine Entschuldigung oder Wiedergutmachung von der Deutsche GigaNetz. Wir waren ja nur drei Tage nicht erreichbar. Das kann man nicht Geschäftsschädigung nennen.
Ach ja: Ein Kundenkonto online? Fehlanzeige. Bitte alles per Telefon oder Schneckenpost.
Fazit: Wer Glasfaser möchte, braucht mehr Standbreite
Geduld, Hartnäckigkeit und starke Nerven – das waren die wahren Voraussetzungen.
Was wir erlebt mit der Deutsche GigaNetz erlebt haben:
- mangelnde Kommunikation
- veraltete Tools
- widersprüchliche Aussagen
- doppelte Rechnungen
- technische Fehler
- und drei Tage ohne Kundenkontakt
Immerhin: Jetzt läuft alles (mit Schluckauf hier und da).
Aber ganz ehrlich: Beim nächsten Anbieterwechsel lass ich mir Baldrian per Katheter intravenös einflößen.
Kennst du sowas auch? ielleicht starten wir bald die „Selbsthilfegruppe Glasfaser“. 😉
Wäre mir auf Arbeit STACKIT (unser externen IT-Diensleister) und Stekom (Kommunikationstechnik) nicht zur Seite gestanden, wäre ich für längere Zeit in einer Heilanstalt für psychisch geschädigte Persönlichkeiten verschwunden …
… einer alleine, gegen die Masse an Deutsche GigaNetz-Mitarbeitern, Telekom-Technikern und die ganzen surrealen Geschehnisse, war einfach nicht ausreichend und gesund.
