„Drei Denker in der Taverne:“ ist ein weiteres fiktives Streitgespräch. Diesmal zwischen Adam Weishaupt, Immanuel Kant und Jean-Jacques Rousseau
Hinweis: Dieses Gespräch ist vollständig fiktiv. Das Thema zieht sich allerdings durch alle Zeiten. Die Figuren orientieren sich an den überlieferten philosophischen Positionen der drei Denker, haben dieses Gespräch aber nie geführt.

Ort: Eine holzverkleidete Gaststube irgendwo in Europa
Zeit: Um 1790
Personen: Adam Weishaupt, Immanuel Kant, Jean-Jacques Rousseau (das Aussehen der Personen wurde aufgrund künstlerischer Freiheit etwas angepasst; filmreif eben)
Rousseau: „Der Mensch war einst frei … und doch sehe ich überall nur Ketten. Ihr wollt ihn mit euren Systemen bessern, doch was, wenn gerade diese Systeme ihn verderben?“

Kant setzt die Brille ab und betrachtet Rousseau ruhig.
Kant: „Freiheit ist nicht das Fehlen von Regeln, Rousseau. Sie liegt in der Fähigkeit, sich selbst ein Gesetz zu geben – das moralische Gesetz in mir, das durch Vernunft erkannt wird.“

Weishaupt lehnt sich zurück.
Weishaupt: „Ach, meine Herren. Ihr philosophiert im Elfenbeinturm. Ich aber habe versucht, die Vernunft in Bewegung zu setzen. Nicht nur denken – handeln! Der Orden der Illuminaten war ein Werkzeug, um das Gute in die Welt zu bringen.“
Rousseau: „Ein Werkzeug? Ihr habt Menschen in Ränge gesteckt und Symbole benutzt wie eine Religion. Ihr ersetzt doch nur ein System durch ein anderes!“
Kant: „Ein Geheimbund, Herr Weishaupt, der moralisch handeln will, aber sich der Öffentlichkeit entzieht – das ist ein Widerspruch. Moral braucht Transparenz. Die Maxime deines Handelns muss ein allgemeines Gesetz werden können.“
Weishaupt: „Und was, wenn das allgemeine Gesetz zu dumm ist, das Wahre zu erkennen? Die Aufklärung braucht Schutz vor der Masse – vor Dogmatikern und Tyrannen.“
Rousseau schlägt mit der Hand auf den Tisch.
Rousseau: „Ihr haltet euch für die Elite, für die Erleuchteten. Aber die wahre Weisheit liegt im Herzen des einfachen Menschen – bevor ihr ihn verbildet!“
Kant bleibt ruhig.
Kant: „Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen: Freiheit braucht Vernunft, aber auch Herz.“
Eine lange Pause entsteht.
Die Kerzen flackern. Der Wein ist fast leer.
Die drei Männer bleiben uneins – aber keiner verlässt den Tisch.
Vielleicht besteht Erkenntnis nicht darin, den anderen zum Schweigen zu bringen.
Vielleicht besteht sie darin, den Widerspruch auszuhalten.

Diesmal eher kurz, aber knackig, bitte mehr davon. Den Widerspruch auszuhalten, ja das wäre ja mal ein ganz revolutionäres Prinzip. Aber ich fürchte, dass der Zeitgeist damit gerade nicht d’accord geht.
Allerdings: Warum gießt Herr Kant auf dem oberen Bild Wein auf die Kerze?
Ja, auch so Schnipsel aus dem ständigen Notizbuch. Da habe ich jetzt erst mal meine Ideen verbraucht.
– Die hitzige Diskussion herunter kühlen.
– Die Diskussion beenden.
– Das Feuer der Charaktere ist nicht schnell gelöscht (Kant braucht ja lang, um die kleine Kerze auszubekommen).