Eine Untertasse voller Herzsprünge

In aller Kürze: Es war der Hammer!

Angefangen hatte die Band mit einer eigenen Version des Interstellar Overdrive. Das war bis auf den Angfangsriff nie wirklich eins meiner Lieblingslieder. Aber es war dennoch eine interessante Version, die sie da hinlegten. Hat Spaß gemacht.

Mit dem zweiten Lied hatten sie den Weltraum dann noch nicht verlassen. Während Astronomy Domine rockten und donnerten sie einfach so weiter zwischen den Sternen hindurch.

Eine fette Klangwand drückte einen in die bestuhlten Reihen. Die Band hatte ordentlich Wumms. Den klanglichen Charakter vom Schlagzeug hatte ich eher retro-mäßig erwartet, und war ganz schön vom satten und fetten Klang überrascht. Aber passte zum Konzept.

Schöne, aber dezente Visuals wurden hinter der Band an die Wand geschickt. Immer mal wieder waren Sterne und Bilder von Syd Barrett und Nick Mason zu sehen. Kurze Filmsequenzen ebenso. Ständig präsent war die schöne Gestaltung des Nick Mason’s Saucerful of Secrets Konzeptes. Angelehnt an die Zeit, aus der die meisten Lieder stammten. Schön psychedelisch und mit leichter Flower Power Note.

Weiter ging es mit einem anderen Lieblingsriff in einem Intro: Lucifer Sam. Ja! Spielt es bitte nochmal dachte ich. Was ein Spaß. Zeitlos dieses Lied. Diese Art Musik. Zumindest brachte die Band diese Lieder aus der Anfgangszeit von Pink Floyd, in die heutige Zeit, als wären sie nie zu einer anderen Zeit gespielt worden. Die Musiker hätten nicht besser ausgewählt sein können.

Wegen der Reihenfolge der Lieder bin ich mir nicht mehr so ganz sicher. Aber so derb wichtig ist das ja auch nicht.

Danach spielten sie Fearless von Meddle. Einfach traumhaft. Hab ich schon immer gemocht. So fluffig. Schön es mal live zu zu hören. Eingeleitet und beendet wurde das Lied mit dem Chorgesang You’ll Never Walk Alone. Dieser Liverpooler Fussball-Hymne. Eine damalige Idee von John Peel, diese in das Lied einzubauen.

Dann eine weitere Überraschung. Lieder von der Obscured by Clouds Platte live! Das wäre mir niemals in den Sinn gekommen. Wow! Dachte ich. Ich hatte mich ja im Vorfeld kein Bisschen über den Ablauf des Konzertes gekümmert. Ich wollte mich überraschen lassen. Und das gelang.

Sie kamen mit einem Medley oder Konstrukt aus Obscured by Clouds / When You’re In daher, welches einem die Kinnlade klappen ließ. Stark. Rockig. Tolle Musiker. Meine Fresse. Schon die Einleitung mit dem Keyboard war grandios und in eigener und neuer Interpretation.

Weiter im neuzeitlichen Rock-Punk-Stil ging es mit Arnold Layne. Funktioniert immer. Mitsingen. Hurra! Da passte im Anschluss der Vegetable Man wunderbar dazu. Ich war echt hin und weg. Psychedelik mit einer frechen Portion Spaß gewürzt. Hach! Auch Guy Pratt hatte wohl sehr viel Spaß bei dem Lied.

Dann ein weiterer Instrumentwechsel. Derer gab es viele. Gary Kemp bekam die Akustische vorgesetzt, hatte die Elektrische weiterhin umgeschnalt und fing an If zu zupfen. Eins meiner absoluten Lieblingslieder. Na ja, das wechselt ständig und je nach Laune. Aber trotzdem ist es unter meinen Top 200 Liedern von Pink Floyd. Dann aber ein überraschender Wechsel zur Atom Heart Mother Suite. Bombastisch eingeflochten. Im Post-Rock Stil. Zack! Wumms! Da ist es…

Ich weiss noch, wie ich damals zum ersten Mal Atom Heart Mother auflegte, und nicht begreifen konnte, was ich da hörte. Komm ich wohl nie los von. Lieblingsscheibe.

Also ein Medley aus If und der Atom Heart Mother Suite. Toller Orgelteil von Dom Beken. Zum Träumen. Schöne Gitarrenzupfereien von Gary Kemp. Eine wunderbare Neuverteilung der bekannten Melodien. Nachdem die Suite abebben und sich in einen ruhigeren Bach verwandeln wollte, spielten sie die andere Hälfte von If.

Von mir aus hätten sie die Suite nochmal komplett spielen können.

Aber viel Zeit zum Schwelgen blieb nicht. Der Nile Song bließ alles weg. Was ein Brett. Die Band hatte Spaß. Wir auch. Das Lied war gefühlt zu kurz.

Vogelgezwitscher. Die Überleitung danach. Wie es Pink Floyd früher oft bei Konzerten gebracht und gemacht hatten. Da konnte eigentlich nur Green Is the Colour kommen. Und da war es auch. Für mich eigentlich eine Hippie-Hymne. Also noch mal schmelzen …

Und überhaupt, und nochmal: tolle Musiker. Allesamt.

Aber gleich danach wieder etwas rotziger und naiver: Let There Be More Light. Toller Bass. Tolle Rocknummer. Funktionierte. Guy Pratt ist ein Tier mit sympathischem Humor.

Dann ein weiteres Traumstück. Sphärisch ohne Ende: Set the Controls for the Heart of the Sun. Hypnotisierendes Getrommele von Nick Mason. Was lieb ich das Lied. Aber eher nur in den diversen Live-Versionen. Pink Floyd haben oft Lieder auf der Bühne sehr viel schöner als von Platte gespielt.

Nick frotzelte zu Beginn, dass nun er endlich mal den Gong spielen darf, was eigentlich immer Roger Waters – der ja nicht teilen kann – an sich riss … äääh … übernahm. Kleine Seitenhiebe. Gar nicht altersmilde, der Herr Mason.

Jedenfalls dehnte die Band den Mittelteil, wie von anderen Konzertaufnahmen gewohnt, schön aus. Schon wieder: Hach!

Aber Mund zu und aufrecht sitzen bitte! Jetzt geht’s weiter. See Emily Play. Noch eins meiner Lieblingsstücke, und Klingelton im mobilen Telefon, seit ich denken kann. Freude und Unschuld pur. Einfach so fett dahingerockt. Emily is a Punk Rocker. Well she’s a punk punk, a punk rocker. Ääääh … ja. So ungefähr.

Da passt auch noch ein Fahrrad auf die Bühne. Bike. Ich könnte es haben, singen sie, wenn es nicht eh schon „ausgeliehen“ wäre. Kam live echt gut rüber.

Dann kurz darauf schon kollektives Ausflippen beim ersten Bass-Ton von One of These Days. Was ein Brett. Was ne Nummer. Die Filmmusik um Leute in kleine Stückchen zu schneiden … oder auch einfach nur zum Tanzen, und von den Stühlen zu Springen zu bewegen. Funktioniert. Die stoische Stuhlordnung war nicht mehr existent. Yeah! Dieser Bass. Dieser Druck. Diese Klangwand. Sagte ich schon, was das Lied für ein Brett ist?

Und dann aus! Aus der Traum! Geklatsche. Gewinke. Geklatsche. Lächeln. Winken. Geklatsche. Rufe. Geklatsche. Geklatsche. Geklatsche…

Uff! Sie kamen doch nochmal zurück.

Und wieder Psychedlik pur. Viel Psychedelik. Hall. Viell Hall. Vor allem auf den Gitarren und auch dem Bass. Zuerst dachte ich an den Mittelteil von Echoes. Hatte mich schon sehr gefreut, da ich auch dafür eine Neuinterpretation erwartete. Hielt aber nur kurz an. Das Zischen der Gitarren war dann doch zu unpassend für Echoes und eher bei A Saucerful of Secrets heimelig.

Nach dem Intro setzte auch bald die majestätische Akkordfolge auf der Orgel ein. Gefolgt vom Getrommele und dezenten E-Bow- und Slide-Gitarren. Der Bass akzentuierte genau richtig. Das Lied wuchs und wuchs und schliesslich setzte Kemp mit dem Melodiegesang ein. Da war es fast um mich geschehen, und ich sah mich schon in einem Notarztwagen wieder aufwachen. Atemlos im Beethovensaal — Älterer Typ hält sich für kreischenden Teenager, oder ähnliche Schlagzeilen kamen mir in den Sinn.

Spaß beiseite. Der zweite Teil des Liedes ist in vielen Konzert-Varianten einfach zu hinreißend, um nicht Gänsehaut zu bekommen. Ist natürlich Geschmacksache. Bei mir funktioniert es immer wieder.

Der Teil hätte auch noch ein bisschen länger sein können, denn immerhin waren wir ja schon bei der Zugabe.

Unglaublich gut die Musiker. Danke, Danke, für ein unglaubliches A Saucerful of Secrets.

Dann der letzte Akt. Point Me at the Sky … and let it fly. Schlitzohriges Ende eines tollen Konzertes.

Oder kam da doch noch ein Lied hinterher? Ich weiss es nicht mehr. Ich war tatsächlich überwältigt.

Gerne wieder. Bald.


Ich hab eben bei der Recherche gesehen, dass das Konzert meist gleich abläuft, und die Lieder jedes Mal in gleicher Reihenfolge kommen. Steht sogar beim Wikipedia Eintrag der Band. So falsch lag ich dann wohl nicht. Obwohl ich beim Schluss nicht mehr so sicher bin…

Und nein, ich habe keine Fotos gemacht. Ich hab noch einige Bilder im Kopf. Das Smartie hatte ich im Auto liegen lassen (mit Absicht).

Ach ja … die Abmischung hätte etwas besser sein können. Weniger Höhen hier und da. Das Keyboard und Teile des Gesangs gingen alsmal unter. Aber der Saal wird es einem nicht einfach machen.


Die Band:

Nick Mason – Schlagzeug und Gong
Guy Pratt – Bass, Gesang
Gary Kemp – Gitarren und Gesang
Lee Harris – Gitarren und Gesang
Dom Beken – Keyboards

Sch’west

Ich war mal wieder mit Felix im Westen Stuttgarts unterwegs.

Winter. Kalt. Samstag Nachmittag. Es schienen nur Autos in der Stadt zu leben. Aber nur fast.

13 Kilometer gemütliches Umherirren. Das oben ist nur eine Aufzeichnung. Ich musste zweimal unterbrechen und neu starten.

Zwischendrin waren wir verdammt leckeres Baguette im Le Tonneau genießen. Tolle Atmosphäre und nette Leute. Eine absolute Empfehlung. Fast wären wir dort versumpft. Aber nur fast.

Im Mos Eisley genehmtigten wir uns dann noch den ein und anderen Absacker. Quasselten und lachten und versumpften. So arg, dass ich meinen ersten Zug zurück verpasste.

Hier gibt es die volle Ladung Bilder von dem Tag.

S-Ost