Wasserreicher Februar – donnerndes Wasser an der Schleuse bei Lauffen am Neckar

Wasserreicher Februar

Immer wenn die Schneeschmelze den Neckar runter kommt, dazu noch viel Wasser von oben, von der Seite und von unten … äääh … frage ich mich, ob man für die über-trockenen Sommer vorgeplant hat, und unterirdische Wasserspeicher angelegt hat?

Die Fremen auf Arrakis sammelten jeden Tropfen – im Destillieranzug, in den Qanat-Systemen, in den geheimen Sietchs tief im Fels. Wasser ist Leben, Wasser ist Macht, Wasser ist Zukunft. Und wir hier am Neckar? Wir schauen zu, wie Millionen Liter ins Meer rauschen – und wundern uns im Hochsommer über leere Grundwasserspiegel.

Baden-Württemberg plant zwar Rückhaltebecken und Grundwasseranreicherung – aber laut SWR könnte bis 2050 rund die Hälfte aller Kommunen im Land ihren Bedarf in Spitzenzeiten nicht mehr decken. Schon heute hat ein Viertel der Gemeinden bei Trockenperioden Probleme. Die Geschwindigkeit, mit der gebaut wird, steht in keinem Verhältnis zur Geschwindigkeit, mit der das Klima kippt.

An der Schleuse in Lauffen donnerte das Wasser weiterhin vorbei, als wäre es in Eile. Wohin eigentlich? Ins Meer. Weg. Verloren für den kommenden Sommer.

Von den Fremen lernen heißt überleben lernen.

Hier kommt der digitale Rückblick auf den nasstkalten Februar.

Die Neckarkurve an der Weinterrasse bei Kirchheim am Neckar.
Die Neckarkurve und Weinberge an der Weinterrasse bei Kirchheim am Neckar.

Kleine Wanderung zur Weinterrasse bei Kirchheim am Neckar und zurück.

Der Eingang der Herzog-Ulrich-Grundschule in Lauffen am Neckar. Mit dem schönen Spruch „Unserer Jugend“.

Morgens beim Handschuhe anziehen. Kurz vorm Losradeln.

Abends beim nach Hause Radeln: Der Blick von der Panoramastraße Richtung Kirchheim am Neckar. Sonnenuntergangs-Stimmung.

Es bleibt beim Heimradeln schon länger hell.

Hypnotisierendes Rauschen.

Der Blick in den Bierseidel.

Der Blick in den Apfelsaftseidel.

Unwetter-Wolken. Morgens beim zur Arbeit Radeln. In den Weinbergen bei Neckarwestheim.

Nass, aber abwechslungsreich

Lauffens schmale Treppen am Kirchberg.

Lauffens schmale Treppen.

Zwischen Unwettern. Der Blick von der Panoramastraße bei Neckarwestheim Richtung Lauffen am Neckar.

Nach und vor dem Unwetter. Der Blick auf die Neckarkurve beim Krappenfelsen bei Lauffen am Neckar.

Stau in der Altstadt.

Da muss man einmal mit dem Auto zur Arbeit, fährt um zwei Kurven, und steht im Stau. Aber hey, Müllabfuhr geht vor. Wichtiger als so vieles.

Wir in der Bar Emma 23 in Heilbronn. Beim Konzert von Der Film und Goblyns.

Im Emma 23. Beim Konzert von Der Film und Goblyns.

Die Fortsetzung des hypnotisierenden Rauschens.

Immer noch und wieder viel Wasser in Lauffen am Neckar.

Immer noch kommt einiges nach…

Die Neckarkurve bei Lauffen am Neckar. Rechts der Krappenfelsen.

Mit dem Rad nach Hause. Plötzlich blauer Himmel. Trocken. Warm. Und alle Wege voller Hindernisse ;-)

Kurz vorm Leuchtmannshof. Nach Neckarwestheim. leicht neblige Szene auf dem Feldweg.
Der >Blick vom Dietersberg ins Tal. Bei Ilsfeld.

Morgens mit dem Rad zur Arbeit. Immer wieder schön.

Knorkator live im LKA in Stuttgart.

Knorkator. Kann man mal machen. Ich kein zweites Mal. Die Musik war stellenweise ganz nett, hat mich aber nicht abgeholt. Und das Gedränge war mir zu aggressiv-ignorant-arrogant. Das war noch nie meins. Rundum nicht meine Welt.

Wir standen weit vorne, rechts, direkt neben der Theke. Falscher Platz. Hätte ich wissen müssen. Bewegungsfreiheit gleich null. Wir dachten kurz daran, uns zu verziehen, aber wohin? Bei dieser Masse an Idioten war hinten wahrscheinlich genauso beschissen wie vorne. Also blieben wir stehen. Mittendrin. Im Gedränge. Wie Vieh.

Klar, ich versteh das. Leute wollen Bier. Überteuerten Dreck, den sie sich trotzdem reinkippen wie Wasser in der Wüste. Leute müssen pissen. Leute wollen nach vorne, nach hinten, irgendwo hin. Meinetwegen. Aber muss das mit Ellbogen ins Kreuz gehen? Mit Füßetreten? Mit diesem gedankenlosen Wegschubsen, als wäre ich ein Gegenstand, den jemand vergessen hat wegzuräumen? Alle zehn Sekunden. Mindestens.

Dann quetscht sich einer von rechts rein. Direkt vor mir. Gewaltsam, selbstverständlich. Ein Klotz von einem Typen, größer als ich, breiter als mein Verstand an diesem Abend. Er stellte sich hin als gehörte ihm die Welt – und vielleicht tat sie das ja. Hat sich einen Dreck darum geschert, ob ich noch irgendwas sehe. Vorher hatte ich wenigstens manchmal den Keyboarder gesehen. Jetzt sah ich: Rücken. Schweißgetränkten Rücken. Und ich roch ihn. Gott, ich roch ihn. Eine Mischung aus Bier, Schweiß und der Überzeugung, dass man selbst das Wichtigste im Raum ist. Eine andere Art von Hochwasser. Er trank Bier nach Bier, hatte seinen Platz, hatte seine Ruhe, und hob ab und zu diese bescheuerte Heavymetal-Faust – Zeigefinger, kleiner Finger, der Rest eingeklappt, als hätte er das in einem Tutorial gelernt.

Zum ersten Mal in meinem Leben hätte ich eine Schlägerei anfangen können. Ich tat es nicht. Ich bin kein Tier. Meistens.

Dann trat mir von hinten jemand ins Kreuz. Ich zog mich nach ganz hinten zurück, zum Ausgang. Letzte Reihe der Gescheiterten. Kaum stand ich da, trat mir irgendeine Erscheinung auf die Füße. Entschuldigte sich zwar – aber zu dem Zeitpunkt war mein Vorrat an Menschenliebe bereits vollständig aufgebraucht. Keine fünf Minuten später drückte mich ein Besoffener zur Seite und erklärte mir, dass er da jetzt stehen möchte. Nicht fragte. Erklärte. Er ließ sein Smartphone zweimal fallen und leerte dabei seinen Bierbecher über den Boden. Ich suchte mir einen ruhigeren Fleck im Schatten und wartete. Wartete, bis es vorbei war.

Falsche Band. Falsches Publikum. Hätte ich wissen können – aber es war mein erstes Knorkator-Konzert. Und mein letztes.

Das hier sind Menschen, die in der Gemeinschaft leben, ohne je einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es sie gibt. Die Ellbogen raus, Augen geradeaus, Hauptsache ich komm durch. Du kennst den Typ. Der wählt auch so.

Nie wieder.

Der Psychologe Philip Zimbardo nennt das aggressive Verhalten „Lucifer-Effekt“: Situationen formen Verhalten stärker als Charakter.

Es ist:

  • situationsinduziertes Verhalten
  • verstärkt durch Alkohol, Lautstärke, Aufregung
  • und fehlende soziale Kontrolle (niemand mahnt, niemand sieht zu)

„Energie & Intensität mit gegenseitigem Respekt“ gegenüber „Energie & Intensität auf Kosten anderer“.

„Next time, it’ll be more like a band such as ‘Element of Crime’. Their fans are definitely friendlier and more respectful. Just polite. Bloody hell!“


Der Radius zwischen den Wassermassen

Februar 2026

Februar: 532 km Weite, 6.752 m Höhe, 32 Stunden, 46 Touren.

Und dazwischen immer wieder Wasser – rauschend an der Schleuse in Lauffen, glitzernd im Morgenrot, rasend durch die Neckarkurve beim Krappenfelsen.

Die Fremen hätten jeden dieser Tropfen gezählt. Ich radel und wander dran vorbei und nenne es Februar.

Vielleicht ist das auch eine Form von Dankbarkeit. Solange es noch so viel zu zählen gibt.

Nass war er, der Februar. Schön war er aber auch.

Bis zum nächsten Mal.

Man muß nicht schwimmen, nein, nur so tun, als / Gehöre man einfach zu Schottermassen.

Bertolt Brecht, Vom Schwimmen in Seen und Flüssen (1919)

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