Mittagessen beim Vietnamesen

Alleine. Die anderen hatten auf andere Geschmäcker Lust.

Die übliche Bestellung: Gebratene Reisbandnudeln mit Gemüse. Vorneweg die kleinen, vegetarischen Röllchen. Das war ein Festmahl.

Und typisch eben auch das Apfelsaftschorle, groß.

Im Hintergrund dudelten Weihnachtslieder aus hohler Midi-Seele.

Die heutige Lektüre zum Essen: Max Frischs Homo faber. Ganz frisch angefangen. Das Buch ausm Montagslädle in Lauffen. Selbiges nicht mehr so frisch. Mehrmals gelesen.

Am Nachbartisch unterhielten sich zwei Stadtbedienstete über den Sinn des täglich-zur-Arbeit-gehens. Der Mensch sei dafür nicht gemacht. Und ausserdem verpasst man zu viel vom Leben.

Da musste ich doch gleich mal stumm zustimmen. Wenn es auch noch diverse Wenns und Abers dazu zu sagen gäbe. Aber es war ja Mittagspause. Zu kurz. Und das Buch wartete … und die Vorspeise.

Das Buch macht(e) schon während der ersten Station Spaß. Freue mich auf den Rest.

Die Vorspeise ging und der Hauptgang, der heute wirklich wunderbar schmeckte, kam. Der Koch hat ja – wie jeder andere auch – mal schlechtere und mal bessere Tage. Je nach Geschmack eben. Für meinen heute einen besseren.

Es verging Nudel um Nudel. Seite um Seite. Im Unterbewusstsein die seelenlose Beschallung. Zeit war noch genug, sagte die Uhr an der Wand.

Und während Homo faber in der Wüste notlanden musste, drehten die Midi-Weihnachtslieder ihre dritte Schleife. Gefühlt.

Die Stadtbediensteten hatten gezahlt und waren gegangen. Die Uhr beruhigte mich.

Ich stellte mir vor, wie es mir bei einer Notlandung, in einer sehr heissen Wüste ergehen würde, und blendete Szenen aus dem Flug des Phoenix über das Gelesene.

Ein weiterer Blick zur Uhr an der Wand. Jetzt beschlich mich doch ein seltsames Gefühl, irgendwas verpasst zu haben.

Eine genauerer und eben auch längerer Blick auf die Uhr liess mich kurz zucken. Die Zeiger standen still! Und zeigten eine völlig falsche Zeit. Wieso ist mir das nicht schon vorher aufgefallen? Zu Halber und Dreiviertel hatte die doofe Uhr ja auch schon keinen Mucks gemacht, wie mir das in dem Moment erst auffiel. Sonst tut sie das. Mist.

Ich hatte wohl zu viel Bespaßung im Unterbewusstsein.

Im Stechschritt zurück zur Arbeit. Punktlandung.

Endlich…

…bin ich dieses Lesezeichen, welches mich ständig an eine unglaubliche Odyssee mit der Bahn erinnerte, los.

Eine zweieinhalb-stündige Verspätung machte mich damals zum Ex-Trauzeugen. Dass ich dann noch zum Ex-Ex-Trauzeugen wurde, ist nochmal ne andere Geschichte.

Und ja, ich hätte schon längst das Lesezeichen wechseln können … aber irgendwie hab ich es nicht fertig gebracht, oder wollen. Selbstkasteiung? Wer weiss.

Und ja, ich hab von der Bahn schon mein anteiliges Schmerzensgeld erhalten. Die Hälfte vom eigentlichen Fahrkartenpreis.

Jedenfalls bin ich heute in der Mittagspause endlich mit dem Buch fertig geworden. Nachdem ich während der Zugfahrt und einem turbulenteren Wochende danach, oft den Faden verloren hatte, fing ich kurz darauf wieder von vorne an. Und meine Buchzeiten beschränken sich auf morgens und mittags. Mit Ausnahmen.

Zur Schulzeit – also in einem anderen Leben – hatte ich das Buch schonmal gelesen, als ich jetzt erneut damit anfing, hatte ich nur eine dunstige, aber wohlige Erinnerung an den Inhalt. Vor allem an die wunderschöne Sprache; die Auseinandersetzung mit jugendlichen Konflikten und Gedanken; was Kunst ist und bewirken kann; was es beudetet Künstler zu sein, mit all den Enttäuschungen, Hoffnungen und Freuden. Tief greifend.

Den Zustand des Buches habe ich so mitgekauft. Bei uns in Lauffen am Neckar im Montagslädle. Zusammen mit drei anderen Klassikern und einem Krimi für Einsfuffzich.

Jetzt bin ich auf die Verfilmung gespannt. 2020 soll es wohl so weit sein.

Lauffenblicke 2.0

Ein Buch über Lauffen am Neckar.

Es sind meine Lieblingswege, um zu einigen meiner Lieblingsorte zu gelangen.
Meine Blicke eben. Lauffenblicke.

Einige bekannte Sehenswürdigkeiten habe ich verewigt, einige andere weggelassen.
Das Städtle und das Dorf sind keineswegs in aller nötigen Detailliertheit vorhanden.
Vielleicht kommt das in einem anderen Buch. Wer weiß.

Mir erschienen für dieses Buch all die anderen Orte wichtiger.
Ich möchte den Blick auf all die schützenswerte Orte lenken, die immer mehr in Bedrängnis geraten.

Ich hoffe sehr, dass ihr beim Durchblättern sehr viel Freude haben werdet.
Einiges wiedererkennt, manches vermisst, manches daraufhin selbst erkundet oder einfach nur anderen zeigt, wie schön wir es eigentlich (noch) haben.

Dieses Buch ist über Blurb natürlich nicht wirklich günstig.
Daher bin ich noch immer auf der Suche nach einer besseren Lösung.
Es wäre toll, wenn ich einen Weg finden könnte, dieses Buch in größerer Auflage, kostengünstiger anbieten zu können.

Es ist nun auch schon der zweite Prototyp hier online.
Ich hatte nach dem ersten Prototyp verschiedene Gedanken und Wünsche einiger Leute mit in die 2. Version einfliessen lassen.

Und schliesslich ist man auch als Macher nie zufrieden und findet immer wieder Ecken und Kanten…

Die Vorschau wurde rein zufällig generiert. Nicht alle 180 Seiten sind in der Vorschau zu sehen.

Aktualisierung vom 20. Dezember 2017: Der Buch-Prototyp ist nicht mehr bei Blurb online…

Mittlerweile kann das Buch hier bestellt werden.